Shore-Härte erklärt: Der große Guide zu den Skalen A, D, C & OO

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  • Von Aaron Lin
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Bei der Konstruktion und Spezifikation von Gummi-, Elastomer- und Polymermaterialien ist die Härte (Durometer) einer der intuitivsten, aber auch am häufigsten missverstandenen Leistungsparameter. Sie betrifft nicht nur die Haptik und Flexibilität des Materials, sondern ist direkt mit kritischen technischen Eigenschaften wie Dichtfähigkeit, Rückprallelastizität, Abriebfestigkeit und dem Druckverformungsrest (Compression Set) verbunden.

Dieser Artikel analysiert aus der Perspektive eines Ingenieurs systematisch die vier gängigsten Shore-Skalen – A, D, C und OO. Wir gehen auf die jeweiligen Messprinzipien und Anwendungsszenarien ein, erläutern die Beziehungen zwischen den Skalen und zeigen, wie Härtedaten korrekt interpretiert und angewendet werden.

Shore-Härte Durometer MessgerätShore-Härte Durometer Messgerät

Was ist Shore-Härte?

Die Shore-Härte ist ein standardisiertes Prüfverfahren zur Quantifizierung des Widerstands eines Materials – vorwiegend Elastomere (wie Gummi) und Polymere (wie Kunststoffe) – gegen dauerhafte Eindrückung.

Das zentrale Prüfprinzip nutzt ein Instrument namens „Durometer“ (Härteprüfer), um über eine interne Feder eine spezifische Kraft auszuüben und einen standardisierten Eindringkörper (Indenter) vertikal in die Materialoberfläche zu drücken.

Der vom Durometer angezeigte Endwert ist eine dimensionslose Zahl zwischen 0 und 100, die umgekehrt proportional zur Eindringtiefe des Eindringkörpers ist:

  • Ein Wert von 100: Steht für null Eindringung (0 mm Eindringtiefe) und bedeutet, dass das Material die maximale Härte erreicht hat, die mit dieser Skala messbar ist.   
  • Ein Wert von 0: Bedeutet, dass der Eindringkörper seinen maximal vorgesehenen Weg (typischerweise 2,5 mm) vollständig eingedrungen ist. Das Material ist extrem weich und liegt unterhalb der effektiven Messgrenze dieser Skala.

Kernnorm: ASTM D2240

Nahezu alle Shore-Härteprüfungen folgen der ASTM D2240 („Standard Test Method for Rubber Property—Durometer Hardness“), der maßgeblichen Spezifikation. Diese Norm beschreibt detailliert die präzisen Gerätespezifikationen, die Form des Eindringkörpers, die Federkraft, die Probenvorbereitung und die Testverfahren für alle 12 Durometer-Typen (einschließlich Shore A, Shore D, Shore C und Shore OO).

ASTM D2240 legt die kritischen Voraussetzungen für reproduzierbare Messwerte fest:

  1. Probendicke: Die Standarddicke des Probekörpers muss mindestens 6,4 mm (ca. 1/4 Zoll) betragen.   
  2. Probenoberfläche: Die Probe muss auf einer festen, ebenen Oberfläche liegen, und der Anpressfuß des Durometers muss vollständigen Kontakt zur Probenoberfläche haben.   

Ist die Probe zu dünn, „schlägt“ die vom Eindringkörper ausgeübte Kraft durch die Probe hindurch („Punch-Through-Effekt“). Im Wesentlichen wird dann die kombinierte Härte aus Probe und der harten Unterlage gemessen, was zu einem fehlerhaft hohen Messwert führt.

Physikalische Unterschiede und Anwendungen

Der Grund für die Existenz mehrerer Shore-Skalen liegt darin, dass ein einzelner Eindringkörper und eine einzige Federkraft nicht den gesamten Bereich von Gelen bis hin zu harten Kunststoffen abdecken können. Jede Skala ist physikalisch ein eigenständiges Prüfsystem, das sich hauptsächlich in folgenden Punkten unterscheidet:

  1. Die geometrische Form des Eindringkörpers (Indenter)
  2. Die Größe der Federkraft

Die Wahl der falschen Skala für ein bestimmtes Material liefert bedeutungslose Werte. Verwendet man beispielsweise den spitzen Typ-D-Eindringkörper auf einem weichen Gel, wird er dieses einfach durchstechen.

1. Shore A

Anwendungsbereich: Dies ist die am häufigsten verwendete Skala in der Gummi- und Elastomerindustrie. Sie deckt Materialien von sehr weich bis mittelhart ab, mit einem typischen technischen Bereich von 20A bis 90A. Zu den Anwendungen gehören flexibles Zwei-Komponenten Silikon für den Formenbau, O-Ringe, Reifenlaufflächen, Schuhsohlen und Thermoplastische Elastomere (TPE).

  • Form des Eindringkörpers: 35-Grad-Kegelstumpf (abgeflachter Kegel). 
  • Federkraft: 8,05 Newton (N) (ca. 822 Gramm-Kraft). 

Shore A Durometer HärteprüferShore A Durometer Härteprüfer

2. Shore D

Anwendungsbereich: Wenn die Materialhärte die Obergrenze der A-Skala überschreitet (d. h. über 90A liegt), sollte das Shore D Durometer verwendet werden. Es wird hauptsächlich zur Messung von Hartgummi, halbfesten Kunststoffen und Hartkunststoffen eingesetzt. Typische Beispiele sind Schutzhelme, PVC-Rohre, Golfbälle und Polyurethan-Rollen.

  • Form des Eindringkörpers: 30-Grad-Kegel (Spitzenradius 0,1 mm), wesentlich spitzer als der Typ-A-Eindringkörper.
  • Federkraft: Maximal 44,45 Newton (N) (ca. 4,5 Kilogramm-Kraft), deutlich höher als bei Typ A.

Shore D Durometer HärteprüferShore D Durometer Härteprüfer

3. Shore C

Anwendungsbereich: Wird zur Messung von mittelharte Elastomeren und Kunststoffen verwendet. Die Shore-C-Messung überschneidet sich mit dem oberen Bereich der A-Skala und dem unteren Bereich der D-Skala. Shore C bietet eine präzisere Messung, wenn ein Material für die A-Skala zu hart (> 90A), aber für die D-Skala zu weich (< 20D) ist.

  • Form des Eindringkörpers: Identisch mit Shore A (35-Grad-Kegelstumpf).
  • Federkraft: Identisch mit Shore D (44,45 Newton).

(Hinweis: Shore C kombiniert den Eindringkörper von A mit der Federkraft von D und wird in einigen spezifischen Normen zur Feinabstimmung von Rezepturen verwendet).

Shore C Durometer HärteprüferShore C Durometer Härteprüfer

4. Shore OO

Anwendungsbereich: Wird zur Messung extrem weicher Materialien verwendet. Wenn der Shore-A-Wert eines Materials unter 10A liegt, sollte das Shore OO Durometer verwendet werden. Typische Anwendungen sind Gele, Silikonfett, Schwämme, Schaumstoffe und Materialien für künstliche Haut.

  • Form des Eindringkörpers: Kugelförmiger Eindringkörper mit 1,20 mm Radius.  
  • Federkraft: Extrem gering, maximal nur 1,111 Newton (N) (ca. 113,3 Gramm-Kraft).

Shore OO Durometer HärteprüferShore OO Durometer Härteprüfer

Ingenieurs-Faustregel:

  • Liegt der Shore-A-Messwert über 90A, wechseln Sie zur Shore-D-Skala.
  • Liegt der Shore-D-Messwert unter 20D, wechseln Sie zur Shore-A-Skala.

Umrechnung der Shore-Härte

In der Werkstofftechnik besteht häufig der Bedarf, Härtewerte über verschiedene Skalen hinweg zu vergleichen, beispielsweise die Umrechnung von Shore A in Shore D. Es muss jedoch ausdrücklich darauf hingewiesen werden: Dies ist wissenschaftlich ungenau.

Wie oben erwähnt, verwenden die Skalen A, D, C und OO völlig unterschiedliche Geometrien der Eindringkörper und stark abweichende Federkräfte. Sie messen die physikalische Reaktion des Materials unter verschiedenen Bedingungen (z. B. misst Shore A eher den „Druckwiderstand“, während Shore D den „Eindringwiderstand“ misst).

Daher ist jede „Umrechnungstabelle“ oder jedes „Umrechnungsdiagramm“ eine Näherung, die aus dem Vergleich großer Mengen empirischer Daten abgeleitet wurde, und keine exakte Berechnung. Diese Tabellen sollten nur in der frühen Designphase oder zur Kommunikation der ungefähren Materialkategorie an Kunden verwendet werden.

Ungefähre Umrechnungstabelle für Shore A, C, D, OO Skalen
Shore A (Referenzbereich) Ungefähr Shore C Ungefähr Shore D Ungefähr Shore OO
10–30 A 20–35 C - 40–70 OO
40–60 A 35–55 C 10–20 D 70–90 OO
70–85 A 50–70 C 18–28 D -
90–100 A 65–85 C 30–55 D -

Wichtiger Hinweis: Diese Tabelle ist empirisch und besitzt keine technische Präzision. Zur Festlegung technischer Spezifikationen oder zur Durchführung der Qualitätskontrolle (QC) müssen tatsächliche Messungen mit der Zielskala (A, D, C oder OO) durchgeführt werden.

Fazit

Die Shore-Härte ist nur ein Faktor für die Materialleistung. Der endgültige Materialauswahlprozess muss auch eine umfassende Bewertung anderer mechanischer Eigenschaften und der Betriebsumgebung umfassen. Faktoren wie Zugfestigkeit, Reißdehnung, Druckverformungsrest (DVR), chemische Beständigkeit, Betriebstemperaturbereich und die haptischen Anforderungen des Endverbrauchers haben direkten Einfluss auf die Eignung des Materials.

Um das am besten geeignete Elastomer für komplexe Anwendungen auszuwählen, müssen Sie daher die Härte mit diesen anderen Leistungsindikatoren abwägen, um sicherzustellen, dass das Material ein vollständig passendes Leistungsprofil aufweist.

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Über den Autor

aaron lin

Aaron Lin ist seit 2013 als Silikonberater tätig und auf Abformsilikon sowie die Herstellung von Silikonformen spezialisiert. Er verfügt über umfangreiche Erfahrung in der Analyse und Lösung verschiedenster silikonbezogener Probleme…

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